Was ist mein systemisches Supervisions-Konzept?

Mein systemisches Konzept betrachtet sowohl den einzelnen Menschen als auch sein Beziehungsgeflecht als ein System. In diesen individuellen und sozialen Systemen nutzt jeder Mensch seine Möglichkeiten um seine Erfahrungen und Gefühle sinnvoll zu ordnen.

Menschen befinden sich ständig in diesem Ordnungs-Prozess, sie geben ihrem Erleben Strukturen und Bedeutungen. Auf diese Weise entsteht eine persönliche Ordnung, eine ganz persönliche "Landkarte" von dem "Gelände da draußen".

Gleichzeitig sind Menschen Mitglieder in verschiedenen sozialen Systemen, z. B. in einem Team, mit Führungskräften, mit Klient(inn)en oder Patient(inn)en, mit Kund(inn)en oder in privaten Kontakten.

In diesen Interaktionen treffen verschiedene Arten, die Welt zu ordnen, aufeinander. Diese Unterschiede in den "Landkarten" können verschiedene Wirkungen haben, zum Beispiel: Das Interesse an Supervision kann unterschiedliche Gründe haben und verschiedene soziale Systeme betreffen, z. B.:
  1. im Zusammenhang mit der Arbeit mit Klient(inn)en/Kund(inn)en wünscht man sich Anregung, Unterstützung, Weiterbildung oder Hilfe:
    Fall-Supervision, Fall-Beratung

  2. einzelne Teammitglieder bzw. ein ganzes Team ist daran interessiert, die persönlichen und beruflichen Beziehungen der Teammitglieder untereinander zu klären und wenn möglich zu verbessern:
    Team-Supervision, Team-Entwicklung
In beiden Fällen geht es darum, ein neues Gleichgewicht zu finden zwischen den persönlichen Landkarten der Beteiligten (= individuelle Systeme) und der Interaktion und Kommunikation über bzw. mit diesen Landkarten (= soziale Systeme).

Wie kann dieses neue Gleichgewicht entstehen?

Mein systemisches Konzept sieht sowohl den Supervisor als auch die Teammitglieder (und auch alle anderen Menschen) als handelnde Subjekte. Gemeinsam werden förderliche Bedingungen gestaltet, die den erwünschten Wandel ermöglichen können.

Abzugrenzen ist diese systemische Sicht von anderen Vorstellungen, die nur den Supervisor als Subjekt betrachten, die Teammitglieder dagegen als zu behandelnde Objekte. Diese Vorstellung einer "wahren Landkarte" des Supervisors entwertet die persönlichen Erfahrungen von Menschen - Erfahrungen, die der Supervisor so nicht gemacht hat - und kann leicht dazu führen, diese Menschen zu pathologisieren. Außerdem sind "wahre Landkarten" ideologieverdächtig. Egal, ob die "Über-Landkarte" die Überschrift trägt "system-therapeutisch", "psychoanalytisch", "gestalt-therapeutisch", "psychodramatisch", "klientenzentriert" oder wie auch immer.

"Systemische Supervision" ist aus diesem Grund also ein schulen-übergreifender und interdisziplinärer Ansatz.

Es geht mir als systemischer Supervisor darum, eine "andere" Sicht anzubieten, die einen erwünschten Wandel ermöglicht, es geht nicht um eine "bessere" Sicht.


Eine Hauptaufgabe des systemischen Supervisors besteht darin, respektvoll neugierig nach anderen möglichen Landkarten zu fragen, beispielsweise:

"Welche Nachteile fallen Ihnen ein, wenn Sie es erreicht haben, als Team wieder richtig gut zusammenzuarbeiten?" -

Es geht also um das Finden von möglichen sinnvollen Unterschieden zu den gegenwärtigen Landkarten, also zu den gegenwärtigen Beschreibungen, Erklärungen, Bewertungen, Verhaltensweisen. Diese Unterschiede können eine Außenperspektive zur eigenen Sicht unterstützen und damit die Wahlmöglichkeiten des Denkens, Fühlens und Handelns erhöhen. Und zwar in den sozialen wie in den individuellen Systemen, in denen man lebt.

Entwickelt werden sogenannte "Unterschiede, die Unterschiede machen". Denn diese Unterschiede fördern die Wahlmöglichkeiten des Denkens, Fühlens und Handelns. Dies sind dann die Möglichkeiten, den gewünschten Wandel zu erreichen, also Lösungen umzusetzen.